Karo, du bist eine der wenigen aus deinen Kreisen die noch in dieser Region geblieben ist…..Warum willst du denn hier bleiben?

Ich finde die große weite Welt ziemlich spannend, es gibt immer viele tolle Sachen die irgendwo anders sind, aber die Oberlausitz, das Dreiländereck – das hat für mich so viel Potenzial und gibt einem die Freiheit was zu machen. Das ist für mich der Gegensatz zum Stadtleben – da gibt es von allem schon unglaublich viel, ziemlich viel Gleiches von Allem und da denke ich mir, warum woanders hingehen wo es schon so viel gibt und wenn hier alle abhauen, passiert hier ja auch nichts.
Und ich bin auch einfach ein Dorfi. Ich mag es auf die Straße zu gehen und wenn ich niemanden sehen will, dann muss ich auch niemanden sehen. Ich genieße die Ruhe, Stille und das es nicht so eine Oberflächlichkeit gibt. Man weiß genau man hat zwar wenig, auch wenig Leute – aber mit denen ist man dann auch eng verbunden.

Dann stell dich uns doch mal vor, was machst du bei Second Attempt und wie ist es dazu gekommen?

Die letzten 9 Monate davor habe ich ganz schön in der Luft gehangen, mit arbeitslos, rumgammeln und sich selber auf den Nerv gehen. Auf einer Silvesterparty hat das meine beste Freundin Chris gegenüber erwähnt– daraufhin hat er gleich geschalten. Sodass ich mich dann mit einer Email mit „Sehr geehrter Herr Thomas“ beworben habe.
Dann saß ich hier zum Bewerbungsgespräch, 1,5 Stunden mit Maggy, Merki und Chris und dachte mir Oh Gott, das kann jetzt ein gutes Zeichen sein oder es kann richtig beschissen sein. Nach 2 Wochen kam dann aber die Zusage und ich konnte Konfetti in die Luft schmeißen. Jetzt bin ich für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Du bist jetzt mit dem Verein seit ca. 2 Monaten vertraut – Kannst du mir ganz spontan 3 Begriffe sagen, die für dich den Verein beschreiben könnten

Außergewöhnlich. Unglaublich Außergewöhnlich.

Unglaublich professionell.

Trotzdessen absolut entspannt.

Was verbindest du denn am meisten mit Görlitz?

Ohje, Görlitz….uns verbindet eine Hassliebe! Wir haben uns 2 Jahre gar nicht gemocht, da bin ich auch ganz viel zu Hause gewesen. Das habe ich dann aber im Mai 2013 bereut. Kurz bevor ich ins Auslandssemester gegangen bin habe ich mich bei der ZuVi beteiligt und dachte mir Krass - das ist auch Görlitz? Und da dachte ich mir scheiße, ich habe glaube echt etwas verpasst.
Mittlerweile mag ich Görlitz sehr gerne. So düster die Stadt manchmal scheinen mag, erlebt man hier trotzdem so viele Sonnenmomente. Es gibt Sachen die gibt es gar nicht!

Welche Perspektiven siehst du denn in Görlitz und welche Rolle trägt der Verein dazu bei?

Im Osten geht zwar die Sonne auf, aber ich habe manchmal das Gefühl Görlitz ist der letzte Punkt wo die Sonne auf geht. Am Arsch der Welt. Aber ich habe das Gefühl die Sonne kommt immer mehr hier her. Es fängt hier immer mehr an zu leben und immer mehr Menschen realisieren auch welche Möglichkeiten sie hier haben. Ich mag nicht das Görlitz das 2. Berlin wird, das fänd ich auf jeden Fall grausam. Aber ich fänd es wirklich schön wenn immer mehr Leute feststellen würden, dass sie sich hier noch verwirklichen können und dass hier noch ein Platz für Ideen ist. Vor allem verrückte Ideen.  So ein bisschen „ Seien wir realistisch und versuchen wir das Unmögliche“ – das funktioniert hier noch!
Ich bin der Meinung dass der Second Attempt eine Homebase ist. Wenn es den nicht geben würde, würde es viele andere Sachen nicht geben. Vielleicht gäbe es dann wiederum was anderes, aber das ist hier ein Sammelsurium an Menschen, von A bis ß ist alles dabei! Es ist auch einfach eine Zusammenfügung von Menschen. Sie sehen in jedem einzelnen Menschen oder jeder einzelnen Initiative so viel, dass ihnen auch Chancen gegeben werden und niemand von Anfang an abgewürgt wird.

Durch den Aufbau des Zentrums ändert sich einiges. Was wünscht du dir für die Zukunft?

Unglaublich viel Leben hier. Ich finde es schön zusammen im Büro zu sitzen, aber mir fehlt es draußen zu sein. Ich habe da so ein schönes Bild im Kopf: Sommer. Hinten in der Ecke Musik. Leute tanzen. Kerzen stehen überall.  Aber auch der Arbeitsalltag, der dann so gestrickt wird: Man kommt früh ins Büro und es ist sofort ein „Boom“! Da ist jemand, dort ist jemand, hol mal das, mach mal dies. An den Wochenenden ist dann immer was los und ich würde mich freuen, wenn das dann einen Großteil meines Lebens mit ausfüllen könnte.

Hast du denn noch ein paar schöne Schlussworte oder irgendetwas, was dir auf dem Herzen liegt?

Da, wo ich vorher gearbeitet habe war es auch alles schön und toll, aber nach unserem letzten Teamtag und den schönen Worten aus dem Team habe ich endlich das Gefühl wo angekommen zu sein und für das, was ich kann und tue geschätzt zu werden. Das ist ein Gefühl nach dem ich Jahre gesucht habe. Das hat für mich einen Stellenwert, der echt in Himmel ragt. Dafür bin ich so unglaublich dankbar.