Willi, du bist ja doch mit etwas Abstand der Älteste an unseren Bürotischen – Warum hast du dich dafür entschieden, in der RABRYKA zu arbeiten?

Du meinst doch lediglich das Lebensalter – nicht aber die Einstellung und Gedanken.
Als ich mich im Internet zu dem Verein und RABRYKA belesen habe, erinnerte ich mich an meine Zeit als Jugendlicher, Student und die Zeit danach. Und da war ich neugierig geworden. Allerdings hatte ich nicht große Hoffnungen, einmal direkt dazu zu gehören. Als ich dennoch zu einem Gespräch eingeladen wurde – dann das tolle Gespräch hatte – wollte ich einfach mit dabei sein und mich einbringen.

Was sagen deine Freunde und Bekannten, wenn du ihnen von unserem Alltag und vor allem über unser Durchschnittsalter erzählst?

Wer mich kennt weiß, dass ich mit dem Alter anderer Menschen kein Problem habe.
Ich erzähle gerne von unserem Alltag, wie wir miteinander umgehen und uns organisieren, was alles geplant wird und letztlich auch los ist. Ja und da erlebe ich echtes Staunen.

Was sind deine Aufgabenbereiche im Verein?

Eingestellt bin ich, um die Buchhaltung zu erledigen. Wenn jedoch tangierende Dinge anstehen, nehme ich mich derer gerne an. Zu helfen, da wo ich kann, ist mir außerdem nicht fremd.

Wo siehst du die grundlegenden Unterschiede zwischen deiner Arbeit und Alltag hier und der Arbeit in deinem letzten Job?

Buchhaltung ist und bleibt Buchhaltung.
Der ganz große Unterschied zu allen meinen bisherigen Jobs ist das Miteinander, die Offenheit und die Leidenschaft. Wir sind ein gutes Team aus Visionären und Machern und wörtlich auch über die Bürozeit hinaus vereint.

Du kennst Görlitz ja auch schon ein bisschen länger als wir. Wie hat sich die Stadt deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

In der Tat – ich kenne Görlitz noch mit einem anderen Gesicht. Bröckelnde Fassaden, alte Fenster, rußige Fensterbänke. Das Erscheinungsbild hat sich vollkommen zum Guten verändert. Straßen, Plätze, Parks sind schön und es gibt einen See. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich in der Stadt und dem Umfeld, ja über Grenzen hinaus, wieder wohl zu fühlen.

Was fehlt Görlitz? – Was wünscht du dir für Görlitz? – Was darf in Görlitz in der Zukunft auf gar keinen Fall fehlen?

Hm – was fehlt Görlitz? Da muss man den richtigen Maßstab ansetzen. Görlitz ist nicht Dresden und auch nicht Stralsund. Mein Eindruck ist, dass unsere Stadt hauptsächlich durch die Touristen, weniger durch die hier Lebenden, genutzt und entdeckt wird. Da fehlt mir etwas die Weltoffenheit und das Gelassen sein bis hin zu unseren Kommunalpolitikern.
Görlitz soll nicht wieder nur eine Pensionärstadt werden – das wünsche ich mir. Es muss für alle Generationen ganz persönlich kulturell, politisch und wirtschaftlich so attraktiv sein, dass sich ein Hierbleiben nicht nur lohnt, sondern stolz gewollt wird.

Wie stellst du dir die Zukunft des Vereins bzw. RABRYKA vor?

Gespannt bin ich auf das Jugendzentrum. Damit wird sich vieles ändern. Doch ich hoffe und wünsche, dass der Grundgedanke, gemeinsam zu den Zielen und auf den Wegen dahin, in der Tat – über den Verein hinaus – „vereint“ zu sein, erhalten und weitergelebt wird.
Wenn die Vielfältigkeiten weiterhin als Angebote bestehen und mit ansteckendem Engagement gelebt werden, sehe ich die Entwicklung und das Bestehen des Vereins bzw. RABRYKA als Erfolg.
Wichtig wird sein, sich in einem Netzwerk der verschiedenen Akteure mit ihren unterschiedlichen Angeboten aktiv einzubringen und mit zu gestalten.