2021/04/01
Stadthalle für Alle
Second Attempt e.V. bereitet sich auf Ausschreibung zur Betreibung der Stadthalle vor.

Der Second Attempt e.V. möchte sich auf die Betreibung der Stadthalle bewerben, gab der Geschäftsführer Kristján Thomasius (28) bekannt. „Wir haben in den letzten Jahren viel Erfahrung mit Veranstaltungen gesammelt und trauen uns das zu.“ Thomasius führt unter anderem das Fokus Festival an, das jährlich 2.500 Personen auf das Gelände der alten Hefefabrik zieht. Darüber hinaus erreichte der Verein 2019 ca. 17.000 Personen mit ca. 500 Formaten.

Aber nicht nur das: „Wir wissen genau wie man einen langen und steinigen partizipativen Prozess zur Wiederbelebung von leerstehenden Gebäuden koordiniert.“ 2020 bezog der Second Attempt e.V. nach nur 9 Jahren die neuen Räume im Zentrum für Jugend- und Soziokultur RABRYWERK 1. 

Das größte Problem erkennt er bei der Akzeptanz der Sanierung. „Wir wissen, dass es große Vorbehalte bei den Görlitzer:innen gibt. Die werden wir nur durch eine regelmäßige Berichterstattung und die zur Verfügungstellung von allen wesentlichen Dokumenten erhöhen." Eine Kooperation mit der SZ sei schon so gut wie unter Dach und Fach. “Wir haben mit dem Chefredakteur vereinbart, dass wenigstens ein Artikel in der Woche erscheinen soll.”

Typische Fragen, die der Verein bisher wahrgenommen hat, sind: „Was bedeutet STADTHALLE eigentlich? Wozu brauchen wir das? Wer soll das alles eigentlich bezahlen?“ Um die Fragen zu beantworten, ist vorgesehen, einen Informationscontainer vor die Stadthalle zu stellen. Darin werden  die Verantwortlichen die Ideen der Bürger:innen aufnehmen. Außerdem werden sie mit dem Stadthallen e.V. zusammenarbeiten und eine Kampagne unter dem Titel “Stadthalle für Alle!” erarbeiten. 

Auch unkonventionelle Ideen schweben dem Verein vor. Da Onge (17), Programmmanager des Vereins, führt bereits Gespräche mit einem größeren Berliner Technoclub, der hier nicht namentlich genannt werden möchte. “Es besteht eine hohe Nachfrage bei zahlungskräftigen jungen Menschen in einzigartigen Locations gepflegt zu feiern, die in Görlitz bisher nicht bedient wird.” In Verhandlung steht der Verein bereits mit bekannten Größen der Szene wie Hector Oaks, VTSS, DJ Sandro, Blawan, Inhalt der Nacht, Nina Kraviz, Charlotte De Vitte, Sven Väth, Schwalkowski, Carl Cox und Fjaak.


Auch die steigenden Baukosten machen Thomasius keine Sorgen. “Wir werden viel Eigenleistungen erbringen, unsere Gehälter auf Mindestlohn kalkulieren und im Winter die Heizung abstellen.” Der Prokurist des Vereins, Rotbart Groschen (33), rechnet außerdem mit Einnahmen aus dem neuen Parkhaus. “Aktuell warten wir noch auf das Einvernehmen der Landesdenkmalpflege den Stadthallen-Garten abreißen zu dürfen. Wir sind optimistisch, dass dies gelingen wird, da sich die Stadtspitze bei der Wiederbelebung des Kulturdenkmals in besonderer Art einsetzen möchte."  Groschen steht außerdem bereits mit Land und Bund in Kontakt, um über weitere Fördermittel zu beraten. “Die Chancen stehen gut, dass wir über das Strukturstärkungsgesetz Mittel für den Bau einer Verbindung zum Dom Kultury beschaffen können.” Das Vorhaben steht schon lange auf der Liste mit den möglichen Projekten unter dem Titel “Weil Brücken schlagen nicht ausreicht.” Thomasius ist optimistisch die Stadthalle bald eröffnen zu können. “Bis zur 950 Jahrfeier schaffen wir das, gemeinsam mit allen Görlitzer:innen.” 


Indes wird die Kritik aus der Szene lauter. Der Second Attempt würde mit zu vielen Aufgaben betreut und entwickelt eine kulturelle Hegemonie. Der Titel “Stadthalle für Alle” sei eine Farce. Thomasius reagiert auf die Kritik nur beiläufig und machte weitere Andeutungen auf eine  wichtige Immobilie der Stadt, die er im Blick hat. Außer „Parkhaus“ wollte er nichts Genaueres sagen.